ELSA - The European Law Students' Association
DEUTSCHLAND

Münchenfahrt am 03. Februar 2010

Fahrt zur Verhandlung gegen John Demjanjuk - ohne Demjanjuk, aber trotzdem lehrreich

Mittwoch, 03. Februar, 06 Uhr 45: Abfahrt vom Passauer Hauptbahnhof Richtung Landeshauptstadt zum Landgericht. Dort sollten wir, d.h. eine Gruppe von 20 Elsanern und in Begleitung von Prof. Esser, um 10 Uhr einem weiteren Verhandlungstag im Prozess gegen den mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher John Demjanjuk beiwohnen, dem vorgeworfen wird, im Vernichtungslager Sobibor „bereitwillig an der Ermordung von 27.900“ Menschen beteiligt gewesen zu sein.

Als wir dann überpünktlich (nach der rigiden Anweisung, am Bahnhof sei keine Zeit mehr für Kaffee oder Brötchen ;-) ) am Landgericht ankamen, passierte die Mehrzahl von uns dessen Eingang als „Schulklasse“ mühelos, während sich zwei unserer Mitfahrer als „Stichproben“ dem Sicherheitscheck unterziehen mussten.
Um 10 Uhr gab der Richter bekannt, dass noch nicht sicher sei, ob Demjanjuk an diesem Tage erscheinen würde, da er eventuell zwecks Bluttransfusion ins Krankenhaus müsste. Um 10 Uhr 45 herrschte dann die Gewissheit: Demjanjuk würde an diesem Tag nicht am Prozess teilnehmen, sodass auch in der darauffolgenden Eröffnung nur ein Beschluss verlesen wurde und der geladene Zeuge des Tages, der ehemalige Mitarbeiter der NS-Fahndungsstelle in Ludwigsburg, Thomas Walther, nicht verhört werden konnte.

Unsere Enttäuschung wurde alsbald durch die Nachricht gebannt, dass wir die Möglichkeit bekommen sollten, mit dem Staatsanwalt Dr. Lutz, Prof. Nestler, dem anwaltlichen Vertreter von 11 Nebenklägern (zudem Lehrstuhlinhaber für Strafrecht und Strafprozessrecht an der Universität zu Köln) und dem Zeugen Thomas Walther ein Gespräch zu führen.

Dabei konzentrierte sich Thomas Walther bei seinen Ausführungen vor allem darauf, wie es zu dem Prozess gegen John Demjanjuk gekommen ist und auf andere, die Ermittlungen betreffende Fragen.

Prof. Nestler lenkte unsere Aufmerksamkeit insbesondere auf strafprozessuale Fragen, z.B. die der Zuständigkeit.

Sowohl Walther als auch Prof. Nestler und Dr. Lutz nahmen sich sehr viel Zeit für den Dialog mit uns, beantworteten alle unsere Fragen ausführlich und mit viel Geduld und brachten uns dadurch, dass sie viele Details mit uns teilten, nah an den Prozess heran.

Danach stärkten wir uns im Löwenbräukeller und traten nach einem erlebnisreichen Tag - die einen früher, die anderen später - die Rückreise an.



Veranstalter: ELSA-Passau e.V.
Veranstaltungsort: Passau
Typ: Sonstiges
(Verena Dimarch, 05.03.2010)

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